Presse

Presseauftritte und Interviews in den verschiedensten Medien. Es freut mich immer sehr, dass meine Kunst Interesse weckt und sie es wert ist gedruckt zu werden. Mit Stolz und Freude präsentiere ich einige Ausschnitte und Abdrucke. 

Künstler Thomas Selinger im Sonntags-Talk:

Ich male aus dem Geist und nicht mit dem Verstand”

 

Seli lebt in einem kleinen Atelier im Andräviertel seinen Spinner aus.

Seli lebt in einem kleinen Atelier im Andräviertel seinen Spinner aus. - © Thomas Selinger

 

 

Seine Bilder sind bunt, schräg und sollen mit witzigen Figuren zum Schmunzeln anregen. Seit drei Jahren betreibt Thomas Selinger ein kleines Atelier in der Landeshauptstadt, das für Besucher jederzeit offensteht. Wir haben Seli, wie er sich selbst nennt, dort zum Sonntags-Talk getroffen und herausgefunden, welche Leute er mit seinen Werken und eigensinnigem Stil anlocken will.

 

 

 

 

So unscheinbar wie sein Atelier von außen, wirkt der 47-Jährige selbst. Dennoch beschreibt er sich selbst als lustig, blöd und sinnlich zugleich. Die Wände des Ateliers im Andräviertel sind mit Bildern vollgehängt: Von Miniaturbildern, die sich der Liebe verschrieben haben, einer Katze, die die Leinwand zerkratzt, bis hin zu großen Leinwänden, die in allen Farben leuchten.

 

 

 

SALZBURG24: Dein Atelier ist für alle offen, jeder kann dir hier beim Malen zusehen – wie kam es dazu?

THOMAS SELINGER: Meine Frau und ich haben kurz überlegt, das Atelier in einer Wohnung unterzubringen, aber dann wäre nicht die Möglichkeit da, dass ich mit dem Wort “offen” schaffe und meine Kunst nach außen zu tragen. In Salzburg ist es wahnsinnig schwer einen Galerievertrag zu bekommen, wenn man keinen bedeutenden Namen hat. Ich habe 25 Jahre gebraucht, bis ich selbstsicher genug war, dass ich mich selbstständig mache. Ich musste mir sicher sein, dass auch Geld rein kommt. Auch wenn ich schöne Bilder male, weder das Finanzamt noch meinen Vermieter interessiert es, dass ich nichts verdiene.

Früher habe ich immer zu Hause gemalt, wenn meine Frau nicht da war. Aber ich denke, dass dann die Professionalität fehlt und das war mir schon immer ein großes Anliegen. Daheim ist Daheim. In meiner Werkstatt kann ich mich voll und ganz auf die Kunst konzentrieren, manchmal verliere ich mich auch darin und übersehe die Zeit.

Ich begrüße jeden Morgen mein Atelier und empfange es mit offenen Armen. Ich bin immer wieder überrascht, was ich am Vortag geschaffen habe. Die Energie, die ich aus dem Pinsel herauszaubere, bleibt im Raum. Das Beste hier ist aber, dass ich meinen Spinner rauslassen kann.

 

 

Wird die Offenheit gut angenommen?

Manchmal sehen Leute durch das Fenster, wie in ein Aquarium, sobald ich dann hinschaue, gehen sie. Es kommt aber auch vor, dass jemand rein kommt und sich umschaut. Währenddessen male ich dann weiter oder wir kommen bei einem Kaffee ins Reden. So habe ich schon einige andere Künstler kennengelernt. Aber die meisten schauen rein, lesen Atelier und gehen beschämt vorbei.

 

 

Wer kauft deine Bilder?

Meine Werke sind in den verschiedensten Kreisen unterwegs. Dadurch merkt man auch, dass das Innere eines Menschen nicht immer das ist, was sie nach Außen versuchen zu zeigen. Gerne bringe ich Kindliches auf die Leinwand. Ich finde es gut, wenn man die Menschen auf eine andere Art und Weise kennenlernt, wie etwa ein seriöser Anwalt, der sich ein total kitschiges Bild ins Büro hängt.

Einmal ist ein älteres Ehepaar aus Bayern zu mir ins Atelier gekommen. Sie haben sich ein wahnsinnig schräges Bild ausgesucht. Ich hätte niemals gedacht, dass meine Art von Kunst auch sehr gestandene Leute anspricht und das freut mich. Sie beweisen damit Mut, dass man auch im Alter crazy –  und wenn man adrett ist, etwas pervers sein kann.

Für das Weiße Rössl in St. Wolfgang habe ich ein Pferd erfunden, das wirklich sehr kitschig ist. Aber die Leute stehen drauf. Mit der Zeit hat sich ein richtiger Fanclub entwickelt.

 

 

Gibt es einen Unterschied zwischen dem Kunstgeschmack von Frauen und Männern?

Frauen tendieren eher zu den lieblichen Bildern, die nichts Hartes zeigen, eher das Zuckerlhafte. Männer sind schon sehr sexistisch, vor allem wenn sie alleine rein kommen. Aber die Geschlechter treffen sich auf einer anderen Ebene, die Persönlichkeit kommt raus und man erkennt den Menschen und nicht das Geschlecht.

 

 

 

 

Möchtest du mit deinen Bildern eine bestimmte Botschaft vermitteln?

Nein, dann hätte ich Schriftsteller werden können. Ich male aus dem Geist und bin dabei gar nicht im Verstand. Ich bin im Sternzeichen Zwilling, deshalb kann ich aus mir herausgehen und mich selbst bei meiner Arbeit beobachten. Das Bedürfnis mich irgendwie mitzuteilen habe ich nicht. Ich möchte, dass die Menschen schmunzeln, wenn sie an mich und meine Kunst denken.

Wenn ein Außenstehender meine Bilder betrachtet, möchte sein Verstand etwas erkennen, weil er sich unsicher fühlt – das ist furchtbar. Manche versuchen zwanghaft etwas zu finden, bis ich ihnen Recht gebe, auch wenn es nicht stimmt. Besonders schwer ist das natürlich bei abstrakten Bildern. Diese Richtung habe ich auch ausprobiert, befriedigt mich aber nicht. Ich fühle mich am wohlsten, wenn ich so sein kann, wie ich bin: Lustig, blöd und sinnlich.
 

 

 

Schafe, die senkrecht den Berg rauf laufen und Frauen, die wie Fische aussehen sind nicht jedermanns Sache – Wie gehst du mit Kritik um?

Einmal ist eine Frau in mein Atelier gekommen und hat geschrien: “Um Gottes Willen, ich speib‘ mich gleich an!“ Dann ist sie rausgerannt und war weg, das war schräg. Ich weiß aber nicht ob sie es auf meine Bilder bezogen hat.

Besonders schwer verkrafte ich Kritik von meiner Frau, aber es ist zum Verzeihen. Sie ist beinhart und sagt es mir mitten ins Gesicht, wenn ihr etwas nicht gefällt und sie bei einem Bild nichts spürt. Aber nach einer halben Stunde sehe ich es dann meistens ein. Kritik von liebgewonnenen Menschen ist nicht gewünscht, aber genehmigt.

Warst du mit einem Bild schon mal so unzufrieden, dass du es weggeworfen hast?

Nein, das habe ich noch nie gemacht. Wenn ich nicht zufrieden bin, male ich es um. 2001 habe ich mich als Farbmaler versucht, da entstand ein goldenes Bild. Es stand jahrelang herum, weil ich dachte, es gefällt mir. Aber im Nachhinein betrachtet war ich immer dagegen. Auf dem goldenen Untergrund entstand dann eine rote, nackte Frau. So hat mir das Bild wieder gefallen und ich habe mich mutig gefühlt, weil ich eine nackte Frau gemalt habe. Im Endeffekt war ich damit aber auch nicht zufrieden. So kamen noch ein paar Weinflaschen dazu. Heute gefällt es mir und ich denke, es bleibt. Es könnte aber auch eines dieser ewigen Werke sein, die einen nie loslassen, bis es jemand kauft.
 

 

 

Kennst du das Gefühl, eine Malblockade zu haben?

Ja, das habe ich erlebt, als ich das Atelier eröffnet habe. Ich bin ja ein ewiger Kratzler und plötzlich war da diese Ruhe. Gekannt hat mich kaum jemand und Besuche waren, ausgenommen von meiner Familie, auch sehr rar. In dieser Phase habe ich nur schwarz-weiß gemalt. Mir ist einfach nichts in den Geist gekommen und die Farbe ist komplett aus den Bildern rausgegangen. Nach zwei Wochen sprach mich meine Frau auf meine Laune an. Ich hatte wirklich Zweifel, ob es der richtige Schritt war, das Atelier zu eröffnen. Aber sie holt mich immer aus solchen Phasen raus und langsam ist die Farbe dann wieder zurückgekommen.

 

 

Vor drei Jahren hast du dich als Maler selbstständig gemacht, wie bist du eigentlich zur Kunst gekommen?

Ich habe schon immer gemalt und gekritzelt. Mit 15 Jahren hat sich dann herausgestellt, dass das ganz gut klappt und bei meinen Kritzeleien immer etwas Gutes rausgekommt. Ich habe mich autodidaktisch weitergebildet. Ganz klassisch dann eine Lehre gemacht, weil man ja was Ordentliches lernen muss. (lacht)

Mit 20 waren meine wilden Jahre, in denen viel egal war. Ich hatte sogar ein eigenes Kunstcafè in Bürmoos. Dort habe ich auch immer auf Zetteln herumgekritzelt und wurde von einem Bekannten zum Zeichnen von Karikaturen inspiriert. Nach etwa zehn Jahren habe ich dann aber bemerkt, dass ich noch etwas von der Welt sehen möchte. Ich bin wieder auf Saison gegangen und habe die Welt bereist. In der Zwischenzeit habe ich die Ausbildung zum Sommelier gemacht und als Oberkellner gearbeitet. Nebenbei habe ich aber immer gemalt und mich weitergebildet. Die Sommerakademie der bildenden Künste mit Prof. Donald Baechler aus New York sowie die Red Dot Academy mit Mairitsch, Santoni und Prof. Heinz Tischer waren Wegweiser für mich.

 

 

Wie ist es dann weitergegangen?

Die Zahl der Aufträge ist mit der Zeit gestiegen und dadurch entstand ein Zwist zwischen Gastronomie und Kunst. Meine Arbeitgeber hatten aber Verständnis und so konnte ich weniger arbeiten und mehr malen, bis sich herauskristallisiert hat, dass ich es wagen werde, mich selbstständig zu machen. Das war ein sehr mutiger Schritt, der sich aber ausgezahlt hat.

 

 

Vielen Dank Seli, für das nette Interview.

 

Interview von Salzburg24.at Bernadette Mauracher  7.5.2017 Alle Rechte vorbehalten, Kopie, Druck und Vervielfältigung nur mit Absprache der Redaktion von Salzburg24.at

 

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